Pionierarbeit

08.09.2010 | Münster
LWL gibt kommentierte Edition der Hille-Briefe und eine Hille-Chronik heraus

Der Dichter Peter Hille (1854-1904) stand jahrelang im Abseits der literarischen Wahrnehmung. In fünfjähriger Forschungsarbeit hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) den aus dem ostwestfälischen Erwitzen stammenden "Erzbohemien" wieder entdeckt. Nach einer Werkausgabe (2007) und einer umfassenden Sammlung von Zeugnissen zur Wirkungsgeschichte des Autors (2007) sowie dem Tagungsband "Prophet und Prinzessin. Peter Hille und Else Lasker-Schüler" (2007) legt die Literaturkommission des LWL zwei weitere umfangreiche Bände zur Hille-Forschung vor: Eine kommentierte Edition der Briefe Hilles sowie eine über 800-seitige Peter-Hille-Chronik.

Beide Veröffentlichungen sind Pionierleistungen. Hilles Briefe galten als unkommentierbar. Umfangreiche Erläuterungen sind jedoch unerlässlich, um Hilles anspielungsreiche und teilweise kryptische Diktion zu verstehen. Hilles Briefe ermöglichen eine literarhistorische Einordnung des Autors und verdeutlichen dessen literaturtheoretische Position. Den Herausgebern Walter Gödden und Nils Rottschäfer gelang es darüber hinaus, zahlreiche neue Brieffunde zu ermitteln. Zu Hilles Briefpartnern zählten so bedeutende Autoren wie Gerhart Hauptmann oder Richard Dehmel.

Die von Nils Rottschäfer vorgelegte Hille-Chronik entstand in mehrjähriger Detailarbeit. Das zusammengetragene Daten- und Faktengerüst schließt Lücken in der Biographie des Autors und macht Hilles Bedeutung im literarischen Leben seiner Zeit deutlich. Hille, der in Erwitzen bei Nieheim (Kreis Höxter) geboren wurde, lebte größtenteils in Berlin. Er war der Mentor der Weltautorin Else Lasker-Schüler. Unter anderem trat er als Gründer literarischer Kabaretts hervor. Sein Schaffen umfasst alle literarischen Gattungen. Er veröffentlichte in den bedeutendsten Periodika der Zeit und gilt als einer der bedeutendsten deutschen Aphoristiker.

"Die Chronik bildet ein Standardwerk, das die Grundlage für jede weitere Beschäftigung mit dem Autor abgibt", so Prof. Dr. Walter Gödden . Das reich bebilderte Kompendium erschließt Leben und Werk eines Autors, der zu den wichtigen Stimmen der Literatur der Jahrhundertwende zählt. Weitere Forschungsmöglichkeiten eröffnen auch die umfangreichen Materialien und Dokumente der Hille-Forschungsstelle, die nunmehr in den Bestand des LWL-Literarturarchivs im LWL-Archivamt für Westfalen übergehen

Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe

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