Das Heilige Land zur Zeit Jesu
Der Jesus Christus unseres Glaubens ist historisch greifbar. Sicher ist die Bibel nicht mit den Methoden moderner Geschichtswissenschaft geschrieben.
Dies erschüttert nicht die Grundfeststellung, dass er geboren wurde, in einer kurzen Zeit des öffentlichen Wirkens erstaunlich viele Menschen überzeugt und für seine Botschaft vom Reich Gottes gewonnen hat.
Er hat aber auch Widerspruch provoziert, was seine Historizität eher unterstreicht, und wurde schließlich in Jerusalem gekreuzigt und ist am dritten Tag danach von den Toten auferstanden. Gott sei Dank gibt es neben den vielen Kritikern des historischen Jesus auch Wissenschaftler, die uns ermutigen, die Bibel bis zum Beweis des Gegenteils für viele Ereignisse im Leben Jesu als eine zuverlässige Quelle zu verwenden.
Heilige Schrift und Tradition als Anhaltspunkte
Christlicher Glaube lässt sich weder durch historische Forschung, noch durch Archäologie oder Filmdokumente beweisen und erzwingen. Glauben dürfen und sich als aktiver Christ in der Kirche entschieden in den Dienst der Osterbotschaft stellen, das ist ein Geschenk des Heiligen Geistes und der Menschen, die uns in der Kirche, in der Schule und in der Familie auf diesen spannenden Weg des Lebens und des Christseins geführt haben. Die Heilige Schrift und die Kirche mit ihrer Tradition sind die wichtigsten Anhaltspunkte.
Die Geburtsgrotte.
Die Geburtsgrotte.
Zur Zeitenwende wurde die damals bekannte Welt von Rom aus beherrscht. Jesus wurde allerdings nicht im Jahr 0 geboren. Das Geburtsjahr Jesu fällt in die Regierungszeit Herodes des Großen, der im Jahr 4 v. Chr. starb. Deshalb wird Jesus wahrscheinlich wenige Jahre vorher geboren sein.
Das römische Weltreich regierte damals Gaius Iulius Caesar Octavianus, der sich ab 27 v. Chr. "Augustus" nannte (vgl. Lk 2,1). Sein Adoptivsohn und Nachfolger war Tiberius Claudius Nero. Er nannte sich "Sohn des Göttlichen", und unter ihm sollte Jesus gekreuzigt werden, dem schon in Lk 1,35 der Gottessohntitel von Gott selbst her zugedacht war.
Geburt Jesu markiert Zeitenwende
Weltliche Geschichtsschreibung und die Heilige Schrift stehen sich in dieser Hinsicht auf Augenhöhe gegenüber und ergänzen einander. (…) Mit der Geburt Jesu ist (…) eine Zeitenwende markiert. Auf sie bezieht sich bei aller zuzugestehenden Datierungsungenauigkeit unsere Zeitrechnung weltweit immer noch entweder "vor Christus" oder eben "nach Christus".
Herodes war Herrscher des Hasmonäerreiches von Roms Gnaden, ab 47 v. Chr. regierte er über Galiläa. Als Jerusalem 37 v. Chr. von römischen Legionen erobert wurde, konnte Herodes das judäische Land unter seiner Herrschaft vereinigen. Obwohl er ab 20 v. Chr. den Neubau des Tempels von Jerusalem betrieb, wurde er von den Juden gehasst, denn er förderte die Hellenisierung des Landes. Daneben legte er hohe Steuern auf und ging rücksichtslos gegen seine Widersacher vor.
Seiner sprichwörtlichen Grausamkeit fielen 29 v. Chr. seine Frau Mariamne und weitere Familienmitglieder zum Opfer. Die von ihm befohlene Ermordung aller Knaben in Bethlehem wird nur in der Bibel berichtet (vgl. Mt 2,16).
Die Parther stellten bei ihrem Einfall in Syrien (40 v. Chr.) das Königreich Judäa wieder her, und die Römer erkannten Herodes den Großen als König an, um sich seiner Hilfe zu versichern.
Es begann demnach zur Zeit des Kaisers Augustus eine neue Epoche starker staatlicher und kultureller Entwicklung. Statthalter war in der römischen Provinz Syrien nach dem Evangelisten Lukas Quirinius, der zwar schon in Syrien wirkte, aber gesichert erst in den Jahren nach Christi Geburt offiziell Statthalter war.
Auch die von Lukas erwähnte Volkszählung (Census, Erstellung von Listen steuerpflichtiger Personen) wirft bezüglich der Datierung gewisse Probleme auf. Die Tatsache, dass die schwangere Maria und ihr Verlobter Josef nach Bethlehem gingen, spricht eher für die Echtheit dieser Ortsangabe, denn naheliegender für die Geburt des Messias wäre Jerusalem gewesen.
Blick in die prophetischen Schriften
Bethlehem ist nicht nachträglich "ausgesucht" worden, um die Prophezeiung des Propheten Micha (5,1-3) zu erfüllen. Matthäus (1,18-21) hält erst das Ereignis historisch fest, und dann wird versucht, seine Bedeutung durch den Blick in die prophetischen Schriften zu ermitteln. Als die Hohenpriester und Schriftgelehrten vom ratlosen König Herodes herbeigerufen werden und man schließlich Michas Prophetie findet, ist Jesus bereits geboren und schon einige Monate alt.
Bethlehem ist als die Geburtsstadt Davids überliefert. Josef gehörte zu diesem Geschlecht. Diese Zugehörigkeit ging mit der Adoption auf Jesus über, der dann später im Handwerk des Ziehvaters, eines Bauhandwerkers, in Nazareth mitarbeitete.
Bethlehem war auch die Heimat Ruts (Rut 4,10-18), einer Vorfahrin des großen Königs David. Aber auch "dem Fleische nach" (vgl. Röm 1,3) wurde Jesus aus Maria, die offensichtlich selbst verwandtschaftliche Beziehungen zu David hatte, geboren.
Eine Reihe von Kritikern der historischen Abläufe rund um die Geburt, die Jugend und die kurze öffentliche Wirksamkeit Jesu verwendet viele Argumente darauf, die biblischen Aussagen zu erschüttern und damit als unhaltbar darzustellen. Nazareth wird infrage gestellt, Bethlehem ist dann nicht mehr sicher. (…)
Auffallend bei den verschiedenen Ernüchterungen bezüglich der Orts- und Zeitangaben der Geschehnisse um Jesus Christus ist, dass diskussionswürdige Alternativvorschläge nicht geliefert werden.
Dabei basiert unser christlicher Glaube auf den historisch greifbaren Angaben der Heiligen Schrift und vor allem dem, in dessen Auftrag sie geschrieben wurden und in dessen Dienst sie letztlich stehen.
Es handelt sich nicht nur um plausible Gründe, die außerbiblisch oft bestätigt werden. Diese Orte, um nur Nazareth, Bethlehem und Jerusalem herauszugreifen, weisen selbst eine lebendige Verehrungsgeschichte auf, die im Wachsen des Glaubenswissens in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen sind.
Als Pilger [braucht man] keinen Videofilm von der Auferstehung am Ostermorgen (…), um an den heiligen Stätten in Palästina / Israel bis heute dem von der Kirche als Stifter und Lebenskern geglaubten Jesus Christus zu begegnen, um seinen Geist wirkkräftig zu spüren, und [eine] vertrauensvolle Glaubensentscheidung hier zu festigen und immer wieder zu erneuern.
Altehrwürdige antike Wohnhöhlen in Nazareth erzählen vom Leben Marias und später der heiligen Familie. Eine solcher Höhlen in Bethlehem zeigt (…) einen der erlesensten Orte des Glaubens an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Wenn auch vom ursprünglichen Grab Jesu ( …) nichts mehr übrig geblieben ist, gibt (….) die Wissenschaft den hilfreichen Hinweis, dass der Ort und das Bodenniveau über die Jahrtausende authentisch nachweisbar geblieben sind.
Kalvaria in der Grabeskirche wurde (…) davor bewahrt, von allzu frommen Pilgern in frommster Absicht geweihte Souvenirs mitzunehmen, abgetragen und in alle Winde zerstreut zu werden. Die Bibel, nach Hieronymus der zuverlässigste Pilgerführer durch das Heilige Land, die Geschichtswissenschaft und die Archäologie helfen uns zum Glauben, ohne ihn in einseitig verstandener Wissenschaftlichkeit erzwingen zu können.
Die drei Weisen (Magier, Sterndeuter, Könige …) bringen es bei aller historischen Anfechtbarkeit vielleicht doch am ehesten auf den Punkt. Ein Stern brachte sie zum Ziel ihrer Sehnsüchte. Nicht der Weg war das Ziel, sondern Gottes fleischgewordener Sohn; ihn wollten sie sehen, anbeten und ehrfürchtig vor ihm auf die Knie gehen.
Die Geburtsbasilika über der Grotte in Bethlehem (…) hat die Zerstörung durch die Perserhorden zu Beginn des 7. Jahrhunderts überlebt. Dies geschah deshalb, weil die persischen Krieger auf der Fassade plötzlich vor den Gestalten zurückschreckten, die da in ihrer eigenen Landestracht dargestellt waren.
Bei der Papstmesse am 13. Mai 2009 in Bethlehem brachte es Benedikt XVI. auf den Punkt (…): "Die altehrwürdige Geburtskirche, gebeugt von den Stürmen der Geschichte und der Last der Zeiten, erhebt sich vor uns als Zeugnis eines Glaubens, der Bestand hat und die Welt besiegt (vgl. 1 Joh 5,4). Keinem Besucher Betlehems kann entgehen, dass das große Tor, das in das Haus Gottes führt, im Laufe der Jahrhunderte immer enger geworden ist.
Lasst uns heute darum beten, dass das Tor, das in das Geheimnis der Gegenwart Gottes unter den Menschen, zum Tempel unserer Gemeinschaft in seiner Liebe und zum Vorgeschmack auf eine Welt immerwährenden Friedens und ewiger Freude führt, durch Gottes Gnade und unseren Einsatz sich immer weiter öffnen möge, um jedes menschliche Herz willkommen zu heißen, zu erneuern und zu verwandeln.
Auf diese Weise wird in Betlehem auch weiterhin die Botschaft erschallen, die den Hirten, uns und der ganzen Menschheit anvertraut ist: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden den Menschen seiner Gnade!"
Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.
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